Referenzfoto für Pet Portrait Tattoo — der praktische Guide
Wie du das perfekte Referenzfoto für ein Pet Portrait Tattoo machst. Licht, Winkel, Auflösung, Ausdruck — und was nicht funktioniert. Praktischer Guide von Jon.
Das Foto entscheidet. Ein klares Foto bringt ein klares Tattoo. Ein unscharfes oder falsch belichtetes Foto kann selbst der beste Tätowierer nicht “retten” — die Information, die nicht im Foto ist, kann nicht auf die Haut. Ich bin Jon, Pet Portrait Spezialist bei Sinkply Zürich, und in diesem Guide erkläre ich dir genau, wie ein Referenzfoto aussehen muss, damit das Tattoo am Ende wirklich nach deinem Tier aussieht. Und — wichtiger — wie du es selbst mit dem Handy machst, ohne Studio-Equipment.
Das ist der praktische Teil, den wir sonst per WhatsApp durchgehen. Wenn du dieses Foto-Briefing einmal verinnerlicht hast, sparen wir uns beide eine Runde Nachfragen — und wir starten mit dem Design in der Hälfte der Zeit.
Die fünf Dinge, die wirklich zählen
Bevor wir ins Detail gehen, hier die Kurzfassung. Ein gutes Referenzfoto hat:
- Natürliches Tageslicht — weich, indirekt, nicht direkt aus der Sonne
- Augenhöhe des Tieres — die Kamera ist dort, wo das Tier hinschaut
- Scharfer Fokus auf die Augen — alles andere darf weicher sein
- Hohe Auflösung — mindestens 1200 Pixel auf der längsten Seite
- Ruhiger, natürlicher Ausdruck — nicht die Snack-Erwartung, nicht die Überraschung
Alles Weitere ist Verfeinerung. Wenn diese fünf Punkte stimmen, haben wir genug zum Arbeiten.
Licht — das wichtigste Element
Licht macht oder zerstört ein Foto. Die meisten Handy-Schnappschüsse scheitern hier, nicht am Kameramodell. Die Regeln:
Gutes Licht
- Tageslicht von einem grossen Fenster, das Tier seitlich zum Fenster
- Draussen im Schatten an einem hellen Tag (z. B. auf einer überdachten Terrasse)
- Frühe Morgenstunden oder später Nachmittag, wenn die Sonne nicht direkt knallt
- Gleichmässig diffuses Licht ohne harte Schatten
Schlechtes Licht
- Direkter Kamera-Blitz — flacht das Fell aus, löscht die Augen, wirft Schatten hinter dem Kopf
- Direkte Mittagssonne — erzeugt harte Schatten unter dem Kinn und in den Augenhöhlen
- Gegenlicht (Fenster hinter dem Tier) — das Gesicht wird dunkel, nur die Silhouette bleibt
- Warmes Kunstlicht (Glühbirnen) — färbt das Fell orange und verfälscht die echte Farbe
Faustregel: wenn du mit dem Auge entspannt auf das Tier schauen kannst, ohne zu blinzeln, ist das Licht brauchbar.
Winkel — geh auf Augenhöhe
Das häufigste Foto-Problem, das ich sehe: Menschen fotografieren von oben. Sie stehen neben dem Hund, halten das Handy herunter und klicken. Das Resultat: ein verzerrter Kopf, kleine Augen, ein dominanter Scheitel und ein Ausdruck, der nicht “das Tier” ist.
Die Lösung ist unbequem, aber wirksam: geh auf den Boden. Setz dich, lieg dich hin, bücke dich. Die Kamera muss dort sein, wo das Tier die Welt sieht — auf seiner Augenhöhe. Nur dann bekommst du:
- Richtige Kopf-Proportionen
- Augen in ihrer tatsächlichen Grösse
- Ein Gesicht, das nach “ihm” aussieht, nicht nach einem Wesen, das zu dir aufschaut
Ausnahme: wenn dein Tier sehr gross ist (Pferd, grosser Hund), fotografierst du natürlich auf seiner Augenhöhe stehend. Der Grundsatz bleibt: nie von oben.
Scharfe Augen — alles andere darf unscharf sein
Moderne Handys haben einen Portrait-Modus oder einen Tap-to-Focus. Nutze ihn. Tippe auf dem Screen auf das Auge deines Tieres, bevor du auslöst. Das Handy stellt dann genau auf die Augen scharf und lässt den Rest leicht weich.
Warum das so wichtig ist: im Tattoo ist das Auge der Hauptträger des Ausdrucks. Wenn das Auge im Foto unscharf ist, kann ich die Pupille, den Lichtreflex und die feinen Linien der Iris nicht genau rekonstruieren — das Ergebnis wirkt tot. Wenn das Auge scharf ist, habe ich die Information, um das Tier lebendig zu zeichnen. Fell, Ohren, Schultern kann ich aus anderen Fotos holen. Die Augen brauchen ein scharfes Foto.
Tipp: wenn dein Tier nicht stillhält, mach eine Burst-Aufnahme (hält die Auslöser-Taste gedrückt — das Handy macht 10 bis 20 Bilder pro Sekunde). Aus einer Serie von 50 Fotos findest du fast immer eines, bei dem die Augen scharf sind.
Auflösung und Dateiformat
Das Foto muss genug Pixel haben, damit ich im Gesicht des Tieres in die Tiefe gehen kann. Richtwerte:
- Mindestens 1200 Pixel auf der längsten Seite — das entspricht etwa der Standard-Auflösung eines modernen Handys, solange du nicht digital gezoomt hast
- JPG oder HEIC direkt vom Handy — nicht screenshot-gemachte Bilder aus Instagram, nicht Fotos aus WhatsApp-Sprachnachrichten, nicht Bilder, die du bereits 3x weitergeschickt hast
- Schick mir das Original, nicht einen Screenshot. WhatsApp hat eine Option “als Dokument senden” — benutze die, dann komprimiert der Messenger die Fotos weniger stark
Wenn du Videos hast, aber kein scharfes Einzelfoto, schick das Video. Ich extrahiere einen scharfen Frame daraus. Das funktioniert oft überraschend gut.
Der Ausdruck — das entscheidende Detail
Das Foto kann technisch perfekt sein und trotzdem nicht das richtige sein. Weil der Ausdruck nicht passt. Zwei häufige Fallen:
Die Snack-Erwartung. Du holst das Leckerli, das Tier spitzt die Ohren, die Augen werden gross, der Körper spannt sich. Das Foto entsteht — und darauf ist ein Tier zu sehen, das auf Essen wartet. Nicht dein Tier im Alltag. Das wird in zehn Jahren nicht “er” sein.
Die Überraschung. Du rufst, das Tier dreht den Kopf ruckartig, du drückst ab. Das Gesicht ist halb gedreht, die Ohren in einer zufälligen Position, der Ausdruck fremd.
Was du willst: der ruhige Moment. Das Tier liegt, sitzt, steht — und schaut ohne externen Reiz in deine Richtung oder knapp daran vorbei. Das ist sein echter Ausdruck. Der Blick, den du kennst, wenn ihr abends zusammen auf dem Sofa sitzt. Der Blick, den du im Tattoo willst.
Tipp: sprich leise seinen Namen, während du fotografierst. Nicht mit der Snack-Stimme. Mit der normalen Alltagsstimme. Das Ohren-Spitzen ist dann moderat, der Ausdruck bleibt natürlich.
Drei bis fünf Fotos, nicht eines
Selbst wenn ein Foto perfekt ist, will ich mehrere. Grund: das beste Portrait entsteht oft aus einer Komposition. Körper und Schultern aus einem Bild, Kopfhaltung aus einem anderen, Blick aus einem dritten. Wenn du mir drei bis fünf verschiedene Perspektiven schickst, kann ich das Beste aus jedem kombinieren.
Konkret ideal:
- Ein Foto Kopf frontal, direkt in die Kamera
- Ein Foto Kopf leicht seitlich (drei Viertel-Profil), damit ich die Kopfform verstehe
- Ein Foto Ganzkörper, aus dem ich Proportionen und Körperhaltung ablesen kann
- Ein Foto spezifische Details, wenn es wichtige Merkmale gibt (Halsband, Narbe, weisse Pfote)
- Ein Foto im typischen Moment — auf seinem Lieblingsplatz, im charakteristischen Kopfkippen, etc.
Weniger ist okay, mehr ist besser. Ich durchsuche gerne zehn Fotos nach den zwei, die die stärksten Informationen tragen.
Was absolut nicht funktioniert
Um sicherzugehen, hier die Fotos, mit denen ich nicht arbeiten kann:
- Verwackelte Bilder (Bewegungsunschärfe)
- Sehr dunkle Bilder (“es war spät, das Licht war schlecht”)
- Bilder mit starkem Instagram-Filter (Kontrastverlust, Farbverschiebung)
- Schwarz-Weiss-Umwandlungen, wenn die Vorlage farbig war — ich brauche die Fell-Information
- Screenshots aus sozialen Medien (die Kompression zerstört Details)
- Fotos aus grossem Abstand (Tier nimmt weniger als 30 % des Bildes ein)
- Fotos mit Hut, Halstuch, Kostüm, Blumenkrone, die das Gesicht teilweise verdecken
- Selfies mit dir und dem Tier (du nimmst meist die Bild-Hälfte ein)
Wenn du unsicher bist, ob deine Fotos reichen — schick sie trotzdem. Ich sage dir ehrlich, ob wir damit arbeiten können oder ob du zwei, drei Ergänzungsaufnahmen machen solltest. Das Briefing ist kostenlos, und es ist besser, wir klären das vor dem ersten Entwurf.
Wenn das Tier nicht mehr lebt
Oft habe ich Kund:innen, die nur noch Fotos haben, die zehn Jahre alt sind, ausgedruckt in Papierform, von Polaroids abfotografiert oder digitalisiert. Das ist kein Ausschlusskriterium. Wir haben Pet Portraits aus sehr alten, sehr unvollkommenen Fotos gestochen — solange die Augen und der Gesichtsausdruck erkennbar sind, können wir arbeiten.
Was du in diesem Fall tun kannst:
- Fotografiere das ausgedruckte Foto bei Tageslicht, möglichst gerade von oben, ohne Schatten, mit dem Handy
- Wenn du digitale Originale hast (alte JPG-Dateien von einem alten Handy), schick die — auch wenn sie klein sind
- Videos von damals sind Gold wert, falls du welche findest
Das ist oft die Ausgangslage für Gedenkstücke. Mehr dazu in unserem Artikel zum Haustier-Gedenk-Tattoo in Zürich.
Wie du mir die Fotos schickst
Schick sie per WhatsApp an +41 77 212 07 67. In der WhatsApp-App gibt es zwei Wege:
- Als Foto: das Standard-Format, wird komprimiert. Reicht meistens, spart Traffic
- Als Dokument: Option unter “Datei senden → Fotos & Videos”. Wird nicht komprimiert, behält die volle Auflösung. Nutze das, wenn deine Fotos hochauflösend sind und du sicher sein willst, dass ich die volle Information bekomme
Schreib in die Nachricht Name des Tieres, ungefähres Alter, gewünschte Körperstelle und grobe Grösse. Dann habe ich alles, um dir innerhalb von 48 Stunden eine Einschätzung zu geben.
Nächster Schritt
Nimm dir heute oder morgen 20 Minuten. Geh mit deinem Tier an ein Fenster oder nach draussen in den Schatten. Setz dich auf den Boden. Mach drei bis fünf Fotos nach den Regeln oben. Schick sie mir. Das ist der ganze erste Schritt.
Mehr zum kompletten Ablauf findest du in unserem Prozess-Guide zum Pet Portrait Tattoo und auf der Hauptseite Pet Portrait Tattoo Zürich. Instagram mit laufenden Arbeiten: @jontattooist.
— Geschrieben von
Aroa, Gründerin von Sinkply Zürich. Spezialisiert auf Fine Line und Abstract Flowers seit 2019.
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